Liebe Fotografinnen und Fotografen,

den letzten Beitrag habe ich im März geschrieben, seither ist viel geschehen – nur hoffentlich nichts passiert! Ich hoffe, ihr seid alle gesund und munter.

 

Viele Kollegen haben sich bei mir gemeldet, die wichtigste Frage war immer die gleiche: Die Lage ist ernst, was machst du jetzt?

 

Daher habe ich mich entschieden, für euch hier meinen ganz persönlichen „Krisen-Plan“ zu veröffentlichen. Es ist kein Blueprint für alle und ganz sicher kein Allheilmittel. Aber eine Anregung vielleicht. Für mich funktioniert es, vielleicht auch für euch? So oder so, ich bin neugierig und freue mich auf euer Feedback!

Hier also ein Auszug aus „Radmila’s Paper“, viel Spaß bei der Lektüre!

 

1. Ohhhm! Innere Ruhe ist die halbe Miete.

 

„Man hat es nicht leicht, aber leicht hat’s einen.“ Dieser Spruch ist uralt und doch so wahr! Denken wir doch an die letzten 3 Monate: Plötzlich ist alles anders, Undenkbares wurde ganz schnell Realität.

Während in Wuhan ein Shutdown angeordnet wurde, saßen wir noch entspannt am Strand in Kambodscha.

Ich hatte ein wenig Vorsprung. Als die Meldung über den Shutdown in Wuhan über die Ticker lief, saßen wir noch entspannt in Kambodscha am Strand. Sofort hat sich das Leben dort geändert. Das Hotelpersonal und auch manche Gäste trugen sofort Gesichtsmasken, überall wurden Flaschen mit Desinfektionsmittel aufgestellt. Kein Eintritt ins Restaurant, ohne sich vorher die Hände zu desinfizieren. Auch beim Rückflug nach München das gleiche Bild, Gesichtsmasken und Desinfektion an allen Flughäfen, schmale Korridore für den Transit, Kontrolle der Passagiere. Die Asiaten fanden es völlig normal und wir irgendwie auch. Ich bin noch nie mit einer Schutzmaske geflogen, dieses Mal schon.

Zurück in München war alles wie immer. Nicht für mich. Ich habe nicht geglaubt, dass das Virus in Asien bleibt. Wie gerne ich mich getäuscht hätte! 

Mit der Pandemie kam auch die Medien-Hysterie und man konnte sich kaum entziehen. Zugegeben: es ist schwer, sich zu entziehen. Speziell am Anfang liest man alles, schaut alles an und unsere Aufmerksamkeit bekommen selbst wilde Facebook-Postings, die wir normalerweise erst gar nicht beachten würden. Auch ich habe alles gelesen, alles gesehen und versucht zu analysieren: Kann das wirklich sein? Wer hat Recht? Was soll diese Meldung wieder? Unzählige Stunden. Kommt es euch bekannt vor? Oder bin ich da eher ein seltenes Exemplar?

Diese Spirale dreht sich immer weiter, nach einiger Zeit ist man komplett durcheinander.

Eines meiner Lieblingsbücher hat der Mediziner und Psychologe Gustave Le Bon vor mehr als 100 Jahren geschrieben, ein schmales Büchlein namens  „Psychologie der Massen„.

Darin heißt es mitunter, dass:

„…die Mitglieder einer hochemotionalisierten Masse büßen ihre Kritikfähigkeit ein, die sie als Individuen im Zustand der seelischen Ruhe haben.“ und weiter:

„…die individuelle Persönlichkeit schwindet in der Masse und macht einer gemeinschaftlichen Persönlichkeit Platz: Der Einzelne empfindet und denkt nun als Teil eines Ganzen, nicht mehr als Individuum.“

Das muss man erstmal auf sich wirken lassen!

Back to the roots. Ein langer Spaziergang im Wald wirkt Wunder. 

Umso wichtiger war es für mich, mich aus dieser „Masse“ herauszulösen. Aber wie? Ein Waldspaziergang über mehrere Stunden, alleine und ohne Handy, das wirkt Wunder! Ich kann es euch absolut empfehlen. Nehmt euch ein paar Stunden Zeit, geht alleine (oder fahrt mit dem Fahrrad), ohne Musik und ohne Handy, nehmt Wasser und was zum Essen mit. 4 bis 5 Stunden und ihr seid wie neu. Der Kopf ist frei und man kann plötzlich wieder normal denken. Aus meinen Spaziergängen sind zwei Erkenntnisse hervorgegangen:

  1. Die öffentliche Meinung ist die VERÖFFENTLICHTE Meinung. Wer veröffentlicht und zu welchem Zweck? Wer bezahlt die Show? Wir wissen es nicht. Kann man dann den Inhalt der Information bewerten?
  2. Die Wissenschaft braucht Zeit, bis sie Wissen schafft. Wenn die Öffentlichkeit und die Politik ständig auf neue Erkenntnisse drängen, werden wir viele Zwischenerkenntnisse hören, die sich schnell verändern oder korrigiert werden. Soweit so normal – in der Wissenschaft. Ergo: Ruhe bewahren. Manchmal verhalten wir uns wie Kindergartenkinder: „Fräulein Elsa, ist morgen schönes Wetter?“ „Ich weiß es nicht, vielleicht.“ Wenn es dann morgen regnet, beschweren wir uns, dass Fräulein Elsa gelogen hat. An das „vielleicht“ kann sich niemand erinnern.

Mein erster Schritt war also, innere Ruhe herzustellen und klare Gedanken zu fassen.

 

2. Money for nothing? Worst Case berechnen.

 

Da niemand weiß, wie sich die Pandemie entwickelt, müssen wir mit allem rechnen.

Daher habe ich im zweiten Schritt eine Bestandsaufnahme gemacht und ein absolutes worst case Szenario berechnet.

  • Wie hoch sind die notwendigen Betriebskosten bis Ende des Jahres?
  • Angenommen, ich mache bis Ende des Jahres sehr wenig oder überhaupt keinen Umsatz, wie kann ich diese Kosten finanzieren?
  • Welche Reserven habe ich, welche Hilfen kann oder sollte ich in Anspruch nehmen?
  • Und: Ist es möglich, diesen Verlust wieder gut zu machen und wenn ja, in welchem Zeitraum?

Wir sind in Deutschland und nicht in Sonstwoland. Es gibt jede Menge Hilfe!

Es gibt Arbeitnehmer, aber keine Arbeit. Was tun?

Es muss nicht gleich gekündigt werden. Für aktuelle Arbeitsausfälle könnt ihr bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit anzeigen. Eure Mitarbeiter können bis zu 100% kürzen und bekommen immer noch 60%  (67% mit Kindern) des Nettogehalts ausbezahlt. Ab dem vierten Monat gibt es 70% (77% mit Kindern) des Netto, ab dem siebten Monat der Kurzarbeit sogar 80% (87% mit Kindern) des Nettogehalts!

Merke: Nur für die Arbeitnehmer gibt es Kurzarbeitergeld, die vorher in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Für die (meist) sozialversicherungsfreien Geschäftsinhaber oder 450 EUR Kräfte gilt die Regelung NICHT. Diese Personengruppe hat zuvor ja auch nicht die Arbeitslosenversicherung eingezahlt.

Die Anzeige kann online erfolgen, die Abrechnung und Anträge erledigt das Lohnbüro. Detaillierte Infos hier: https://www.arbeitsagentur.de/m/corona-kurzarbeit/

Miete, Auto, Telefon. Umsatz null, Betriebskosten laufen weiter.

Für die kurzfristige Überbrückung gibt es die Soforthilfe. Selbst Kleinbetriebe bis 5 Arbeitnehmer bekommen völlig unbürokratisch 9000 EUR! Das hält schon eine Zeitlang über Wasser. Der Freistaat  Bayern zahlt sofort aus, falls ihr schon den Antrag gestellt, aber noch nichts gehört habt, unbedingt bis 31. Mai nochmals stellen und darauf hinweisen, dass ihr schon mal gestellt habt!

Weitere Infos über die Höhe der Soforthilfe, Antragsvoraussetzungen und das Verfahren bekommt ihr hier: https://www.stmwi.bayern.de/soforthilfe-corona/

Den Antrag selbst könnt ihr hier stellen: https://www.soforthilfe-corona.bayern

3. Finanzierung sichern, Tafelsilber behalten.

Es ist ungeheuer beruhigend, wenn man keine finanziellen Sorgen und Engpässe hat. Daher ist es enorm wichtig, vorausschauend zu handeln und den Finanzbedarf für die nächsten Monate zu sichern. Manche haben in den letzten Jahren Reserven geschaffen und brauchen keine fremde Finanzierung – Glückwunsch!

Wenn ihr aber in den letzten Jahren viel investiert habt und das Bankkonto dringend auf neue Umsätze wartet, ist Aktion angesagt. Macht aber bloß nicht den Fehler, euer Tafelsilber zu verkaufen! Im Moment gibt es sehr günstige Hilfskredite, die man über die Hausbank beantragen kann. Meine Bank bietet beispielsweise KfW-Darlehen für 1%-2% Zins (je nach Sicherheiten) und 5-10 Jahre Laufzeit. Wenn wir bedenken, dass wir im Februar 2020 eine Inflationsrate von 1,7% hatten, ist das Darlehen praktisch umsonst. Naja – kostenlos, umsonst hoffentlich nicht 😉

Die KfW Bank bietet selbst für junge Unternehmen Corona-Kredite an.

Es ist keine gute Idee, den ersparten Notgroschen oder anderes Eigentum zu veräußern, um an Geld zu kommen. Diese Assets dienen der Bank gegebenenfalls als Sicherheit. Wenn man jetzt schon das Tafelsilber veräußert, kann man in der echten Not der Bank keine Sicherheiten mehr anbieten, bekommt kein Geld und selbst hat man auch nichts mehr. Blöd das.

Daher: Bedarf ermitteln, unbedingt proaktiv werden und das Bankgespräch rechtzeitig suchen. Wenn das Dach brennt, wird man panisch und nicht mehr handlungsfähig. Alle Infos zu den KfW-Krediten bekommt ihr hier: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Unternehmen/KfW-Corona-Hilfe/

Natürlich soll es nicht heißen, dass man sich um jeden Preis verschulden sollte. Im Moment sind die Konditionen sehr günstig und der Staat bürgt sogar für den Ausfall mit hohem Prozentsatz. Trotzdem sollte man sich im Vorfeld überlegen, ob man sich zutraut und sich in der Lage sieht, das Geld zurückzuzahlen. Wenn man dabei „Bauchschmerzen“ bekommt, sollte man sich andere Lösungen überlegen. Darauf einzugehen würde aber diesen Blog sprengen, das machen wir dann lieber persönlich und anhand der tatsächlichen Gegebenheiten.

4. Inventur. Im Studio, auf der Webseite und im Kopf. Motivation, Vision, Ziele.

Nachdem ich mich also beruhigt und mir eine „Medien-Abstinenz“ verordnet habe, ging es an die Kosten und deren Finanzierung bis Ende des Jahres.

Mein persönliches Ziel für 2020 ist eine „schwarze Null“, das mag vielen zu wenig erscheinen. Mir, die mit einer zweiten Infektionswelle rechnet, erscheint es eher sportlich. Wir werden sehen. Kommt keine zweite Welle, freue ich mich umso mehr. Damit es noch ein wenig ehrgeiziger wird, möchte ich gerne am Jahresende so viel Geld auf die Seite gelegt haben, dass ich ENDLICH einen Sprachkurs in Rom machen kann. Das habe ich mir schon vor 3 Jahren vorgenommen und jedes Jahr habe ich im Januar und Februar etwas anderes gemacht. 2021 sollte es also sein!

Wie kann ich es erreichen? Die Hochzeitsreportagen sind für 2020 vermutlich passé. Wie kann dieser Umsatz – zumindest teilweise – ersetzt werden?

Eine Inspektion im Kleiderschrank: alles raus und nur das wieder rein, was wir auch wirklich anziehen. Alles andere wird entsorgt. Es fühlt sich nachher immer sooo gut an!

Ich habe zunächst eine Art „General-Inventur“ gemacht.

  • Wie sieht es im Studio aus?
  • Wie sieht meine Webseite aus?
  • Wie sieht meine Produktpalette aus?
  • Wie sieht mein Angebot aus?
  • Ist das Angebot der aktuellen Lage angemessen oder brauche ich etwas Neues?
  • Und vor allem: was möchten meine Kunden?
  • Wie werden Paare in nächster Zeit heiraten – groß und opulent oder klein und fein?
  • Sehen wir ein Baby-Boom in 2021?

Alles Fragen, die mich in den letzten paar Wochen sehr beschäftigt haben.

Und – ihr ahnt es schon – es gibt viel zu tun!

5. Und los. Jetzt wird in die Hände gespuckt.

Ich habe mich beruhigt.

Ich habe die Finanzierung gesichert.

Ich habe eine to do Liste mit vielen Punkten. Die Webseite wird aktualisiert, neue Artikel geschrieben, neue Produktpalette entwickelt und die Preise kalkuliert.

Und das Studio wird umgestaltet. Ein bisschen jedenfalls.

Auch neue Bilder kommen an die Wand. Seit Jahren hängen immer wieder Brautpaare, Babys und Kinder an den Studiowänden. Warum nicht mal ein paar coole Bilder aus Afrika oder Indien? Vielleicht mache ich mal eine Vernissage. Mal sehen…

„Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist das noch nicht das Ende.“

Wer mich kennt weiß, dass das einer meiner Lieblingssprüche ist.

Ich habe es in meinem letzten Beitrag schon geschrieben und es ist immer noch aktuell:

Manchmal passieren Dinge, die wir nicht beeinflussen können und sie sind nicht immer schön.

Wenn wir aber positiv und vernünftig bleiben und uns auf unsere liebsten, unsere Gesundheit und unser Geschäft fokussieren, haben wir praktisch keine Zeit mehr, in Panik zu verfallen.

Unsere nicht öffentliche HOC-Gruppe in Facebook hat immer mehr Mitglieder. Seid ihr schon dabei?

In diesem Sinne: passt auf euch auf, bleibt gesund und lasst euch nicht unterkriegen!

Liebe Grüße und bis bald beim Netzwerk-Frühstück!

Radmila