Rahmen in der Fotografie – Lieblingsfoto der Woche 02/2026

Dieses Lieblingsfoto der Woche stammt von Mariola Rötzheim und entstand in den Ostfjorden Islands. Das eigentliche Motiv – der auffällig orangefarbene Leuchtturm – wäre bereits für sich ein schönes Fotomotiv. Entscheidend für die Wirkung dieser Aufnahme ist jedoch der Standpunkt.
Mariola fotografierte den Leuchtturm durch die zerbrochene Öffnung eines alten, verwitterten Gebäudes. Fensterrahmen, Holzwände und die dunklen Bruchstellen bleiben bewusst Teil des Bildes. Sie umschließen den hellen Leuchtturm und lenken den Blick unmittelbar auf das Hauptmotiv.
Gleichzeitig entsteht ein starker Kontrast zwischen den beiden Bildebenen: Im Vordergrund dominieren gedeckte Braun-, Grau- und Rosttöne des alten Holzes. Dahinter steht der Leuchtturm mit seinem kräftigen Orange und Rot vor dem hellen Wasser. Gerade dieser Farbkontrast sorgt dafür, dass das eigentliche Motiv trotz seiner vergleichsweise kleinen Fläche sofort ins Auge fällt.
Solche Bilder entstehen oft nicht dadurch, dass man direkt vor einem Motiv stehen bleibt. Interessanter wird es häufig, wenn man sich in der Umgebung umsieht und nach ungewöhnlichen Durchblicken, Vordergründen oder Strukturen sucht. Ein paar Schritte zur Seite können aus einem bekannten Motiv plötzlich eine deutlich eigenständigere Aufnahme machen.
Rahmen in der Fotografie: Warum dieser Bildaufbau funktioniert
Ein Rahmen innerhalb des Bildes kann den Blick sehr gezielt auf das Hauptmotiv lenken. In der Fotografie wird dieses Gestaltungsprinzip häufig als „Frame within a Frame“ bezeichnet. Fenster, Türen, Bögen, Äste oder andere vorhandene Strukturen können dabei wie ein zweiter Rahmen innerhalb des eigentlichen Fotos wirken.
In Mariolas Aufnahme übernimmt das zerbrochene Fenster diese Funktion. Der Leuchtturm erscheint nicht isoliert, sondern wird vollständig von der dunkleren Gebäudestruktur umgeben. Dadurch entsteht eine klare visuelle Hierarchie: Zuerst nimmt man den orangefarbenen Leuchtturm wahr, anschließend beginnt man, die verwitterten Strukturen des Vordergrunds zu entdecken.
Die lange Brennweite von 200 mm verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Vordergrund und Leuchtturm werden optisch näher zusammengerückt, während der Bildausschnitt sehr gezielt reduziert werden kann. Das Foto wirkt dadurch deutlich grafischer als eine klassische Weitwinkelaufnahme der Umgebung.
Blende f/7,1 liefert genügend Schärfentiefe für das Hauptmotiv, während die näher liegenden Elemente des Fensterrahmens nicht vollständig scharf sein müssen. Gerade diese leichte Unschärfe im Vordergrund unterstützt die Tiefenwirkung und verhindert, dass der Rahmen mit dem Leuchtturm um Aufmerksamkeit konkurriert.
Entscheidend ist dabei, dass der Rahmen das eigentliche Motiv unterstützt und nicht verdeckt. Hier funktioniert das besonders gut: Die unregelmäßigen Bruchstellen wirken natürlich, während Farbe und klare Form des Leuchtturms den Blick zuverlässig im Zentrum halten.
Aufnahmedaten und Ausrüstung
Foto: Mariola Rötzheim
Kamera: Fujifilm X-T2
Objektiv: Fujinon XF 55–200 mm F3.5–4.8 R LM OIS
Aufnahmedaten: ISO 100 · 200 mm · f/7,1 · 1/125 Sek.