Fotoreise Westfjorde Island: unterwegs im wilden Nordwesten

Text & Fotos: Radmila Dier

Es gibt Regionen auf Island, die schon nach wenigen Kilometern das Gefühl vermitteln, weit weg vom Rest der Welt zu sein.

Die Westfjorde Islands gehören dazu.

Tiefe Fjorde schneiden sich in die Landschaft, steile Berge ragen unmittelbar aus dem Meer, kleine Fischerdörfer liegen weit auseinander. Dazwischen führen Straßen kilometerweit durch nahezu unbewohnte Landschaften. Wasserfälle tauchen am Straßenrand auf, Schafe stehen am Strand, alte Häuser erzählen von einem anderen Island – und hinter der nächsten Kurve wartet oft schon das nächste Fotomotiv.

Für Fotografen ist diese Abgeschiedenheit ein Geschenk.

Nicht, weil hier an jeder Ecke ein berühmter Instagram-Spot wartet. Eher das Gegenteil: Die Westfjorde leben von der Landschaft selbst, vom wechselnden Licht, von kleinen Orten und von Motiven, die man nicht unbedingt auf einer Liste abhaken kann.

Auf unserer Fotoreise durch Islands Westfjorde nehmen wir uns genau dafür Zeit.

Warum sind die Westfjorde so besonders?

Die Westfjorde – auf Isländisch Vestfirðir – liegen im Nordwesten Islands und gehören zu den am dünnsten besiedelten Regionen des Landes.

Anfang 2026 lebten hier rund 7.340 Menschen. Zum Vergleich: Ganz Island hatte zu diesem Zeitpunkt rund 394.000 Einwohner. Diese geringe Besiedlung spürt man unterwegs sofort. Zwischen den Orten liegen oft lange Strecken. Straßen ziehen sich um Fjorde, verschwinden hinter Bergen und führen durch Landschaften, in denen kilometerweit kein Haus zu sehen ist.

Gerade diese Weite macht den fotografischen Reiz aus. Die Motive wechseln ständig: Fjorde und Berghänge, Wasserfälle, verlassene Gebäude, kleine Häfen, Vögel, Schafe und mit etwas Glück sogar Robben oder Wale.

Hinzu kommt das Licht.

Im isländischen Sommer sind die Tage extrem lang. Die Sonne verschwindet rund um die Sommersonnenwende im Norden nur für kurze Zeit unter den Horizont beziehungsweise bleibt die ganze Nacht nah daran. Statt einer kurzen „Golden Hour“ kann weiches Abend- und Morgenlicht über viele Stunden anhalten.

Für Landschaftsfotografen sind das traumhafte Bedingungen.

Unsere Fotoreise beginnt in Reykjavík

Bevor es in die Einsamkeit der Westfjorde geht, beginnt unsere Reise in Reykjavík.

Hier trifft sich die Gruppe und wir starten gemeinsam in die kommenden Tage. Der Kontrast könnte größer kaum sein. Reykjavík ist bunt, lebendig und kompakt. Alte Holzhäuser stehen neben moderner Architektur, Wellblechfassaden leuchten in kräftigen Farben und selbst bei einem kurzen Spaziergang durch das Zentrum findet sich eine erstaunliche Menge fotografischer Details.

Wer früher anreist, kann die Stadt wunderbar auf eigene Faust erkunden. Am nächsten Morgen lassen wir Reykjavík hinter uns.

Morgen beginnt der Teil der Reise, für den wir gekommen sind.

Islands wilde Westfjorde: Der Weg ist Teil der Fotoreise

Auf einer klassischen Rundreise zählt oft das Ziel. Auf einer Fotoreise durch die Westfjorde ist der Weg mindestens ebenso spannend. Natürlich gibt es Orte, die fest auf unserem Programm stehen. Trotzdem bleibt unterwegs Raum für spontane Stopps. Denn Island hält sich selten an einen Reiseplan.

Vielleicht fällt plötzlich Licht durch eine Wolkenlücke und beleuchtet nur einen einzelnen Berghang. Ein kleiner Wasserfall erscheint neben der Straße. Schafe stehen direkt am Fjord. Auf einer spiegelglatten Wasserfläche zeichnen sich Berge doppelt ab.
Dann halten wir an.

Genau solche ungeplanten Situationen liefern später häufig die Bilder, an die man sich besonders gut erinnert. Das ist einer der Vorteile einer kleinen Fotoreisegruppe: Wir müssen nicht an einem Motiv vorbeifahren, nur weil es nicht im Programm steht.

Djúpavík – ein Ort, den man nicht so schnell vergisst

Es gibt Orte, die man besucht. Und es gibt Orte, die sich festsetzen. Djúpavík gehört zur zweiten Kategorie. Schon die Fahrt dorthin entlang der Straße 643 durch Árneshreppur ist ein Erlebnis. Die Straße folgt der abgelegenen Küste von Strandir, vorbei an Bergen, Fjorden und winzigen Siedlungen.

Dann taucht Djúpavík auf.

Ein paar Häuser am Fjord, ein Wasserfall direkt hinter dem Ort – und die gewaltige ehemalige Heringsfabrik. Die Geschichte des Ortes reicht bis 1917 zurück, als hier erstmals eine Heringsverarbeitung entstand. 1934 wurde eine neue Fabrik errichtet, die damals als größtes Betongebäude Islands galt. Der industrielle Heringsboom war allerdings nicht von Dauer; 1954 endete der Fabrikbetrieb.

Heute wirkt das Gebäude wie ein Zeitkapsel.

Die alte Heringsfabrik von Djúpavík: Lost Place mit Geschichte

Von außen wirkt die Fabrik bereits beeindruckend. Im Inneren beginnt jedoch eine vollkommen andere fotografische Welt.
Alte Maschinen stehen noch an ihrem Platz. Rostige Leitungen ziehen sich durch die Räume. Farbe blättert von den Wänden, Licht fällt durch schmale Fenster und zeichnet helle Flächen auf Beton, Metall und Staub.

Ein rostiges Zahnrad kann ebenso spannend sein wie ein ganzer Fjord. Ein altes Fenster wird zum Rahmen im Bild. Licht und Schatten verwandeln eine ehemalige Industrieanlage in ein riesiges fotografisches Spielfeld.

Solche Orte liebe wir auf Fotoreisen besonders, weil sie dazu zwingen, anders zu sehen.
Nach Tagen mit Weitwinkel und großen Landschaften wird der Blick plötzlich enger.
Die alte Heringsfabrik ist außerdem weit mehr als ein verlassener Industriebau. Sie erzählt von einer Zeit, in der der Heringsfang ganze Regionen Islands wirtschaftlich veränderte – und davon, wie schnell dieser Boom wieder verschwinden konnte.

Heute wird die Fabrik unter anderem auch für Kunst und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Djúpavík kurz zusammengefasst

1917 – erste Heringsverarbeitung am Ort
1934 – Bau der großen Heringsfabrik
1935 – die neue Fabrik nimmt den Betrieb auf
1954 – Ende der Heringsverarbeitung in Djúpavík

Westfjorde: Landschaft mit viel Platz

Hinter Djúpavík wird besonders deutlich, wie dünn die Region besiedelt ist. Nach aktuellen Zahlen leben in den gesamten Westfjorden nur gut 7.300 Menschen. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Gegend „leer“ ist. Im Gegenteil. Die Landschaft ist voller kleiner Geschichten.

Verwitterte Holzhäuser stehen am Meer. Alte Bootsschuppen tragen Jahrzehnte salziger Luft in ihren Fassaden. Wellblech ist verbogen, Farbe blättert ab, Moose und Gräser erobern Mauern zurück. Für die Kamera ergeben sich daraus unzählige Möglichkeiten. Mal ist es die große Landschaft. Mal nur ein Fenster. Oder eine Tür. Eine Wand mit abgeplatzter Farbe.

Gerade die kleinen Fischerdörfer zeigen, dass ein gutes Fotomotiv nicht spektakulär sein muss.

Man muss es nur sehen.

Robben in den Westfjorden fotografieren

Auch Wildlife gehört zu einer Reise durch die Westfjorde.
Robben lassen sich an verschiedenen Küstenabschnitten beobachten. Oft liegen sie weit draußen auf Felsen oder Sandbänken und wirken auf den ersten Blick wie dunkle Steine.

Bei der Tierfotografie gilt dabei immer dasselbe Prinzip: Abstand halten und das Verhalten der Tiere nicht verändern.

Wir wollen ein Tier fotografieren, nicht beeinflussen. Mit längerer Brennweite lassen sich natürliche Situationen viel besser einfangen – und häufig entstehen ohnehin die interessanteren Bilder, wenn das Tier nicht auf den Fotografen reagiert.

Island Westfjorde: wer beobachtet hier eigentlich wen?

Heiße Quellen in den Westfjorden – Island kann auch Pause

Fotoreisen bedeuten meistens lange Tage. Früh los, spät zurück, dazwischen viele Kilometer und noch mehr Bilder. Umso schöner sind Orte, an denen die Kamera einmal kurz Pause machen darf. In den Westfjorden gibt es zahlreiche geothermisch gespeiste Pools und heiße Quellen. Manche sind klein und schlicht, andere liegen unmittelbar am Meer oder vor einer spektakulären Bergkulisse.

Nach einem langen Tag im isländischen Wind in warmem Wasser zu sitzen, gehört zu den Erlebnissen, die man einfach genießt.

Zumindest für ein paar Minuten.

Denn erfahrungsgemäß dauert es nicht lange, bis doch wieder jemand zur Kamera greift :)

Formen, Farben, Muster: ein altes Schiffswrack

Ein paar Kilometer weiter wartet wieder ein vollkommen anderes Motiv : Ein altes Schiff liegt am Ufer. Rost hat sich durch den Lack gefressen, Blau trifft auf Orange und Rot, Seile hängen über den Rumpf.

Beim näheren Blick fallen Farben und Formen auf: Plötzlich entstehen aus kleinen Ausschnitten abstrakte Bilder: Roststrukturen, Farbübergänge, Nieten, verwittertes Metall und Linien.
Solche Motive sind wunderbar geeignet, um das fotografische Auge zu trainieren. Aus einem alten Schiff kann eine ganze Serie entstehen – vom dokumentarischen Gesamtbild bis zur abstrakten Detailaufnahme.

Kaffee im Grassodenhaus

Der Kaffee schmeckt besonders gut, wenn er in einem traditionellen Grassoden- beziehungsweise Torfhaus serviert wird.

Torfhäuser prägten über Jahrhunderte die isländische Baukultur. Holz war knapp, während Stein und Torf nahezu überall verfügbar waren. Dicke Grassodenwände isolierten gegen Wind und Kälte und ermöglichten es, Häuser mit den vorhandenen natürlichen Materialien zu errichten.

Heute sind solche Gebäude ein eindrucksvoller Teil des kulturellen Erbes Islands.

Wenn darin auch noch Kaffee, Pönnukökur oder Waffeln serviert werden, fällt die fotografische Pause nicht besonders schwer ;)

Iceland grass-roof houses

Der isländische Sommer: wenig Nacht, viel Licht

Der Sommer in den Westfjorden ist kurz. Dafür scheint es, als würde der Tag einfach nicht enden. Rund um die Sommersonnenwende bleibt es selbst nachts hell. Für Fotografen verändert das den gesamten Tagesrhythmus.

Weiches Licht zieht sich über Stunden, Wolken bleiben lange durchzeichnet, Berghänge verändern ihre Farbe und selbst spät am Abend kann sich noch eine völlig neue Stimmung entwickeln.

Diese langen hellen Nächte gehören zu den großen fotografischen Besonderheiten einer Sommerreise nach Island. Gleichzeitig bleibt das Wetter unberechenbar. Sonne, Nebel, Wind und Regen können sich innerhalb kurzer Zeit ablösen. Was zunächst wie schlechtes Wetter aussieht, ist fotografisch oft ein Geschenk.

Gerade dunkle Wolken und Lichtflecken machen die ansonsten ruhigen Fjordlandschaften spannend.

Island. Makroaufnahmen mit Canon DX1 und einem Makrofilter.

Ísafjörður – das Zentrum der Westfjorde

Nach vielen Kilometern durch dünn besiedelte Landschaft wirkt Ísafjörður beinahe wie eine Großstadt.
Natürlich ist es keine. Aber es ist die größte Stadt der Westfjorde und ein wichtiges regionales Zentrum. Sie liegt spektakulär auf einer schmalen Landzunge im Skutulsfjörður und ist sowohl über die Straße als auch per Flugzeug erreichbar.

Allein die Lage ist außergewöhnlich. Hinter den Häusern steigen die steilen, gestuften Berge der Westfjorde nahezu unmittelbar auf. Fotografisch lohnt sich ein Spaziergang durch die Stadt. Bunte Häuser, alte Fassaden, Hafenmotive und die gewaltigen Berge im Hintergrund bieten einen völlig anderen Kontrast als die Landschaft der Tage zuvor.

Gerade nach den einsamen Küstenstraßen macht es Spaß, wieder einmal urbane Details zu suchen.

Ein Selfie, das eigentlich keines ist

Am Ende dieses ersten Teils entsteht noch ein Bild, das ziemlich gut zu einer Fotoreise passt. Statt eines klassischen Selfies sehe ich meine eigene Spiegelung in einem alten Fenster.
So kann ein Selbstporträt auch aussehen.

Damit endet der erste Teil unserer Reise durch die Westfjorde.

Im zweiten Teil geht es weiter zu Saltverk, zum Wasserfall Dynjandi, zu heißen Quellen, Schiffswracks und zu den mächtigen Vogelklippen von Látrabjarg. Dort warten schließlich auch die eigentlichen Stars der Westfjorde auf uns: Papageitaucher.

Warum eine Fotoreise in die Westfjorde?

Die Westfjorde zeigen ein Island, das deutlich ruhiger ist als viele bekannte Regionen des Landes.
Es gibt weniger „Pflichtpunkte“, dafür mehr Raum für Entdeckungen.
Eine alte Fassade kann ebenso zum Motiv werden wie ein Wasserfall.
Ein kurzer Halt an der Küste entwickelt sich plötzlich zur Wildlife-Session.
Aus schlechtem Wetter entsteht dramatisches Licht.
Das lässt sich nicht vollständig vorausplanen. Aber genau darin liegt der Reiz.

Auf unseren Fotoreisen nach Island reisen wir bewusst in kleinen Gruppen. Dadurch bleibt Zeit, auf Licht und Wetter zu reagieren, spontan anzuhalten und sich mit einem Motiv länger zu beschäftigen.

Denn ein gutes Foto entsteht selten dadurch, dass man möglichst schnell am nächsten Aussichtspunkt ankommt.

Es entsteht, wenn man Zeit zum Sehen hat.

Die nächste Fotoreise mit Hands on Camera?

Sie möchten in einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter Island entdecken und mit spektakulären Fotos nach Hause kommen? Unsere aktuellen Reiseangebote finden Sie hier, weitere sind in Planung.
Egal ob Foto-Einsteiger oder ein passionierter Fotograf – hier sind Sie richtig. Rufen Sie an (+49 172/9541890) oder schicken Sie eine email, wir beantworten alle Fragen rund um die nächste Reise sehr gerne!

    Ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und stimme zu.
     
    Datenschutzerklärung zum Durchlesen

    captcha