Wasserfall mit Langzeitbelichtung fotografieren – Lieblingsfoto der Woche 12/2026

Dieses Lieblingsfoto von Hartmut Barkawitz entstand am Brúarfoss in Island. Im Winter verändert sich der Wasserfall vollkommen: Zwischen fließendem Wasser bilden sich Eiszapfen, vereiste Felsen und schneebedeckte Flächen. Bewegung und Erstarrung liegen hier unmittelbar nebeneinander.
Hartmut hat für seine Aufnahme bewusst keinen weiten Überblick über den gesamten Wasserfall gewählt. Stattdessen konzentriert sich das Bild auf einen Ausschnitt, in dem Wasser, Eis und Fels besonders eng miteinander verzahnt sind. Dadurch werden Strukturen sichtbar, die in einer klassischen Gesamtansicht schnell untergehen würden.
Die längere Belichtungszeit verändert vor allem das Wasser. Statt einzelner Tropfen und klar abgegrenzter Strukturen entstehen weiche, fast seidige Flächen. Das Eis bleibt dagegen vollkommen scharf und unbewegt. Genau dieser Gegensatz zwischen fließendem Wasser und erstarrtem Eis gibt dem Foto seine besondere Wirkung.
Solche Motive zeigen sehr schön, dass Langzeitbelichtung nicht automatisch bedeutet, möglichst viele Sekunden zu belichten. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Bewegung im Wasser sichtbar bleiben soll. Je nach Fließgeschwindigkeit kann schon eine vergleichsweise kurze Zeit ausreichen, um Wasser deutlich weicher erscheinen zu lassen.
Wasserfall mit Langzeitbelichtung fotografieren: Wie das Wasser weich wird
Bei einer Langzeitbelichtung wird die Bewegung des Wassers über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet. Je länger der Verschluss geöffnet bleibt, desto stärker verschwimmen einzelne Wasserstrukturen miteinander. Das erzeugt den typischen weichen oder seidigen Eindruck.
Wie lange tatsächlich belichtet werden sollte, hängt stark vom Motiv ab. Schnell fließendes Wasser benötigt häufig deutlich weniger Zeit als ein ruhiger Bach. Eine zu lange Belichtung kann wiederum dazu führen, dass das Wasser nahezu strukturlos weiß wird. Ziel ist deshalb nicht die längstmögliche Belichtungszeit, sondern eine Zeit, die zur gewünschten Bildwirkung passt.
Bei Hartmuts Aufnahme ist besonders der Kontrast zwischen Bewegung und Stillstand interessant. Während das Wasser weich gezeichnet wird, bleiben Eiszapfen, Felsen und gefrorene Flächen detailliert sichtbar. Dadurch kann das Auge die beiden Zustände unmittelbar miteinander vergleichen.
Für solche Aufnahmen ist ein stabiles Stativ wichtig. Sobald die Belichtungszeit nicht mehr sicher aus der Hand gehalten werden kann, muss die Kamera absolut ruhig stehen. Zusätzlich hilft ein Fernauslöser beziehungsweise der Selbstauslöser, damit beim Betätigen des Auslösers keine Bewegung auf die Kamera übertragen wird.
Bei hellem Tageslicht wird außerdem ein ND-Filter notwendig, wenn die gewünschte Belichtungszeit trotz niedriger ISO und geschlossener Blende nicht erreicht werden kann.
Entscheidend bleibt die Bildgestaltung: Das weich fließende Wasser allein macht noch kein starkes Foto. Hier sorgen die Formen der Eiszapfen, die Felsen und die verschiedenen Wasserläufe dafür, dass das Auge durch die Aufnahme geführt wird und immer wieder neue Strukturen entdeckt.
Aufnahmedaten und Ausrüstung
Foto: Hartmut Barkawitz
Kamera: Canon EOS 90D
Objektiv: Tamron SP 70–200 mm F/2.8 Di VC USD
Aufnahmedaten: ISO 100 · 100 mm · f/32 · 2,5 Sek.