Ólafsvík fotografieren – Farbe und Linien in der Bildgestaltung – Lieblingsfoto #14/2026

egenbogenfarbener Weg vor der Ólafsvíkurkirkja in Ólafsvík auf Snæfellsnes in Island

Manchmal braucht ein Foto keine dramatische Lichtstimmung, sondern eine klare Idee für den Bildaufbau. In Jörg Vollmars Aufnahme aus Ólafsvík auf der Snæfellsnes-Halbinsel übernimmt diese Aufgabe ein ungewöhnlicher Vordergrund: breite, leuchtende Farbstreifen ziehen sich quer durch das Bild und führen den Blick direkt zur markanten Kirche des Ortes.

Die Ólafsvíkurkirkja ist mit ihren kantigen, geometrischen Formen ohnehin ein auffälliges Motiv. Die heutige Kirche wurde 1967 eingeweiht und nach Plänen des Architekten Hákon Hertervig gebaut; ihr Grundriss setzt sich aus drei Dreiecksformen zusammen.

Jörg hat die Kirche jedoch nicht einfach frontal als Architekturmotiv fotografiert. Er ging tief mit der Kamera und gab dem farbigen Weg einen großen Teil der Bildfläche. Dadurch entsteht eine klare Staffelung: zuerst die kräftigen Farben im Vordergrund, dann die weiße Kirche und schließlich der mächtige Berghang im Hintergrund.

Gerade der Kontrast macht die Aufnahme so wirkungsvoll. Rot, Orange, Gelb, Grün und Blau treffen auf die fast monochrome Architektur der Kirche und die gedeckten Braun- und Grüntöne des Berges. Der klare blaue Himmel hält sich dagegen vollständig zurück. So bleibt das Bild trotz der intensiven Farben erstaunlich geordnet.

Der Regenbogenweg vor der Kirche gehört inzwischen ebenfalls zum Ortsbild von Ólafsvík und führt den Blick direkt in Richtung Ólafsvíkurkirkja.

Farbe und Linien in der Fotografie: Warum dieser Bildaufbau funktioniert

Kräftige Farben ziehen den Blick sehr schnell an. Werden sie zusätzlich in klaren Linien angeordnet, können sie gleichzeitig als Gestaltungsmittel dienen und den Blick gezielt durch das Bild führen.

In dieser Aufnahme beginnen die Farbstreifen unmittelbar am unteren Bildrand. Durch die niedrige Kameraposition bekommen sie sehr viel Raum und wirken fast wie breite grafische Flächen. Gleichzeitig laufen ihre Kanten diagonal durch die Komposition und führen das Auge in Richtung Kirche.

Genau diese Verbindung aus Farbe und Linienführung macht das Foto interessant. Der Regenbogen ist nicht nur ein bunter Vordergrund, sondern übernimmt eine konkrete Funktion im Bildaufbau: Er verbindet Vordergrund und Hauptmotiv.

Mit 34 mm Brennweite bleibt die Perspektive relativ natürlich. Sie ist weit genug, um Straße, Kirche und Berg gemeinsam abzubilden, ohne die Architektur stark zu verzerren. Blende f/14 sorgt für große Schärfentiefe über die verschiedenen Bildebenen hinweg.

Bei ISO 100 und 1/160 Sekunde bleibt die Aufnahme technisch sauber und bietet genügend Reserven für die hellen Flächen der Kirche und des Himmels.

Besonders wichtig ist bei solchen Motiven die Position der Kamera. Schon wenige Zentimeter höher oder tiefer verändern den Anteil des farbigen Vordergrunds deutlich. Wer mit Linien arbeitet, sollte deshalb nicht nur den Ausschnitt verändern, sondern ganz bewusst verschiedene Kamerahöhen ausprobieren.

Aufnahmedaten und Ausrüstung

Foto: Jörg Vollmar
Kamera: Sony Alpha 7 III
Objektiv: Sony FE 24–105 mm F4 G OSS
Aufnahmedaten: ISO 100 · 34 mm · f/14 · 1/160 Sek.

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