Hofskirkja fotografieren – Architektur und Landschaft | Lieblingsfoto #16/2026

Hofskirkja mit grasbewachsenem Torfdach zwischen herbstlichen Bäumen in Süd-Island

Die Hofskirkja muss man nicht vollständig sehen, um sie sofort zu erkennen. In Daniels Aufnahme taucht die kleine Torfkirche zwischen Bäumen und herbstlichen Zweigen auf. Das grasbewachsene Dach verschmilzt beinahe mit der Umgebung, während nur Teile der hellen Fassade und der grün eingefasste Giebel deutlich hervortreten.

Gerade dieses teilweise Verbergen macht das Bild interessant. Die Bäume stehen nicht störend vor dem Motiv, sondern gehören bewusst zur Komposition. Ihre Stämme und Äste bilden mehrere Ebenen und lassen den Blick erst nach und nach zur Kirche wandern.

Besonders gut funktioniert dabei die Verbindung der Farben: Das kräftige Grün des Torfdaches trifft auf gelbe, orangefarbene und rostrote Herbsttöne. Die Hofskirkja wirkt dadurch nicht wie ein isoliertes Bauwerk, sondern wie ein selbstverständlicher Bestandteil der Landschaft.

Genau das passt zu dieser traditionellen isländischen Architektur. Das mit Gras bewachsene Dach nimmt Farben und Strukturen der Umgebung auf – und Daniels Foto macht diese Verbindung zwischen Gebäude und Natur zum eigentlichen Thema.

Hofskirkja fotografieren: Warum das Motiv nicht vollständig sichtbar sein muss

Ein Motiv muss in der Fotografie nicht immer freigestellt und vollständig sichtbar sein. Gerade bei Architektur kann es spannender wirken, Teile des Gebäudes bewusst durch Vegetation, Mauern oder andere Elemente verdecken zu lassen.

In Daniels Aufnahme entstehen dadurch mehrere Bildebenen: zuerst die Baumstämme und Äste, dahinter die Hofskirkja und schließlich die weitere Vegetation. Das Auge muss das Motiv quasi entdecken. Diese leichte Verzögerung macht das Bild interessanter als eine reine dokumentarische Ansicht der Kirche.

Gleichzeitig übernehmen die Äste eine gestalterische Funktion. Sie rahmen einzelne Bereiche der Hofskirkja, ohne einen perfekten symmetrischen Rahmen zu bilden. Dadurch wirkt die Aufnahme natürlich und nicht konstruiert.

Besonders wichtig ist hier auch das grasbewachsene Dach. Weil seine Farbe und Struktur der Umgebung ähneln, verschwimmen die Grenzen zwischen Architektur und Landschaft. Die helle Fassade setzt dagegen einen kleinen visuellen Akzent und verhindert, dass das Gebäude vollständig in der Vegetation verschwindet.

Das Foto zeigt damit ein gutes Prinzip für bekannte Motive: Nicht immer muss man versuchen, störende Elemente aus dem Bild zu entfernen. Manchmal sind genau diese Elemente der Schlüssel zu einer eigenständigeren Aufnahme.

Aufnahmedaten und Ausrüstung

Foto: Daniel Kabuss
Kamera: Canon EOS 800D
Objektiv: Canon EF-S 18–55 mm f/3.5–5.6
Aufnahmedaten: ISO 400 · 28 mm · f/8 · 1/160 Sek.

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