Lieblingsfoto der Woche 17/26 – Nebel an den Klippen von Dyrhólaey

Klippen von Dyrhólaey verschwinden im dichten Nebel an der Südküste Islands

Eigentlich ist Dyrhólaey für seine weiten Ausblicke bekannt. An diesem Tag war davon fast nichts zu sehen. Nebel zog über die Klippen, verschluckte die Küste und ließ Felsen und Landschaft nur noch schemenhaft hervortreten.

Genau diese eingeschränkte Sicht macht die Aufnahme von Dr. Joachim Nieke so besonders. Statt eines klassischen Panoramas zeigt sie Dyrhólaey als stille, fast geheimnisvolle Landschaft. Die Klippen verschwinden Schicht für Schicht im Nebel und verlieren mit zunehmender Entfernung an Kontrast.

Ein einzelner dunkler Pflanzenstängel im Vordergrund setzt einen feinen grafischen Akzent. Er gibt dem Auge einen klaren Bezugspunkt, während Gras, Felsen und Nebel dahinter immer stärker miteinander verschmelzen.

Die Aufnahme lebt deshalb nicht von spektakulärem Licht oder maximaler Fernsicht. Ihre Wirkung entsteht gerade aus dem, was nicht vollständig sichtbar ist. Dyrhólaey zeigt sich hier nicht als Postkartenmotiv, sondern als raue, feuchte und atmosphärische Landschaft an Islands Südküste.

Nebel in der Landschaftsfotografie: Wie Schichten räumliche Tiefe erzeugen

Nebel reduziert eine Landschaft – und genau darin liegt seine fotografische Stärke. Details verschwinden, Farben werden gedämpfter und weiter entfernte Bereiche verlieren zunehmend an Kontrast. Dadurch entstehen automatisch verschiedene Bildebenen.

In Joachims Aufnahme ist diese Staffelung besonders deutlich. Der grasbewachsene Vordergrund erscheint noch relativ kräftig und kontrastreich. Die erste Klippe dahinter ist bereits dunkler und zurückhaltender, während die weiter entfernten Felsen schließlich fast vollständig im Nebel verschwinden.

Diese abnehmenden Kontraste mit zunehmender Entfernung erzeugen räumliche Tiefe, obwohl große Teile der Landschaft kaum noch Details zeigen. Der Nebel übernimmt damit eine ähnliche Funktion wie mehrere gestaffelte Bergketten in einer klaren Landschaftsaufnahme.

Der einzelne Pflanzenstängel im Vordergrund ist ebenfalls wichtig. Seine dunkle, klar definierte Form bildet einen Gegenpol zu den weichen Flächen des Nebels und gibt dem Auge einen ersten Orientierungspunkt.

Mit 24 mm Brennweite wird ausreichend Umgebung einbezogen, ohne dass die Klippen ihre Wirkung verlieren. Blende f/6,3 liefert genügend Schärfentiefe für die relevanten Vordergrundbereiche. Bei ISO 200 ermöglicht die Belichtungszeit von 1/60 Sekunde eine technisch saubere Aufnahme unter den gedämpften Lichtbedingungen.

Gerade bei Nebel lohnt es sich deshalb, nicht auf besseres Wetter zu warten. Statt Fernsicht zu suchen, kann man gezielt mit Schichten, Tonwerten, reduzierten Farben und einzelnen klaren Formen arbeiten. Was zunächst wie eine Einschränkung aussieht, kann so zum eigentlichen Gestaltungsmittel werden.

Aufnahmedaten und Ausrüstung

Foto: Dr. Joachim Nieke
Kamera: Nikon Z 6
Objektiv: NIKKOR Z 24–70 mm f/2.8 S
Aufnahmedaten: ISO 200 · 24 mm · f/6,3 · 1/60 Sek.

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