Lieblingsfoto #44/2026 – Kormoran auf Island

Kormoran mit ausgebreiteten Flügeln und seitlich gedrehtem Kopf auf einem verwitterten Holzpfahl im Wasser.

Großer Auftritt auf kleinem Platz

Viel Platz hat dieser Kormoran auf seinem verwitterten Holzpfahl nicht. Für einen großen Auftritt reicht es trotzdem: Die Flügel sind weit geöffnet, der Kopf ist zur Seite gedreht, feine Tropfen stehen in der Luft. Harald Geiger hat diesen Moment auf unserer Fotoreise Island Nord festgehalten – unser Lieblingsfoto der Woche #44.

Mir gefällt besonders die Spannung zwischen dem schmalen Standplatz und der großen Fläche der Flügel. Unten halten sich die Füße am Holz fest, darüber entfaltet sich das dunkle Gefieder. Die Haltung wirkt kraftvoll und zugleich wie eine kleine Balanceübung.

Ein Flügel gibt die Richtung vor

Der Flügel auf der rechten Bildseite zieht schräg nach oben und bestimmt damit die Komposition. Unser Blick folgt seiner Form vom Körper bis zu den äußeren Federn. Der lange Schwanz setzt links einen Gegenakzent; der gedrehte Kopf führt die Aufmerksamkeit zurück zum Vogel.

Die gelbe Partie am Schnabel fällt zwischen den dunklen Federn sofort auf. Sie nimmt nur wenig Raum ein, gibt dem Gesicht aber besonderes Gewicht. Gerade solche kleinen Farbunterschiede können unseren Blick in einem Bild lenken.

Federn, Holz und Wasser

In den Flügeln lassen sich die überlappenden Federn gut erkennen. Ihr geordneter Aufbau trifft auf die unregelmäßigen Bruchkanten des Holzes und die geschwungenen Reflexe auf dem Wasser. Drei sehr unterschiedliche Strukturen kommen hier zusammen.

Das Wasser bildet dabei einen lebhaften Hintergrund. Seine helleren Flächen helfen, Teile der dunklen Vogelsilhouette sichtbar zu machen. Weil kein Himmel im Ausschnitt liegt, bleibt die Aufnahme ganz bei dieser kleinen Szene am Wasser.

Der fotografische Impuls

Beobachten Sie bei einem Vogel auch die kleinen Veränderungen seiner Haltung: eine Kopfdrehung, das Öffnen der Flügel, die Stellung des Schwanzes. Sie können die Bildwirkung innerhalb eines Augenblicks verändern. Lassen Sie im Ausschnitt genügend Raum für solche Bewegungen.

Prüfen Sie dabei bewusst die Belichtungszeit. Soll auch eine schnelle Flügelbewegung scharf erscheinen, muss sie entsprechend kurz sein. Etwas weichere Federn können jedoch ebenfalls zu einem lebendigen Bild beitragen. Bei Haralds Aufnahme entsteht der Ausdruck aus dem Zusammenspiel von Haltung, Linien und den erkennbaren Details im Gesicht.

Aufnahmedaten und Ausrüstung

Foto: © Harald Geiger
Bildbesprechung: Radmila Dier
Kamera: Sony α1
Objektiv: Tamron 50–400 mm
Einstellungen: 400 mm · f/8 · 1/250 s · ISO 6400

Lust auf eigene Lieblingsbilder?

Entdecken Sie unsere Fotoreisen in kleinen Gruppen – persönlich begleitet von Radmila Dier.