Lieblingsfoto der Woche 13/2026 – Ilulissat Eisfjord

Kleine Gruppe von Fotografen vor einer gewaltigen Eislandschaft in Grönland

Wie groß diese Eislandschaft wirklich ist, erkennt man erst auf den zweiten Blick. Zwischen Eisbergen, Schollen und aufgetürmten Eisformationen erscheinen am unteren Bildrand ein paar Menschen – so klein, dass man sie beinahe übersieht.

Genau dieser Größenvergleich macht die Aufnahme von Mariola Rötzheim so eindrucksvoll. Sie entstand im Ilulissat-Eisfjord in Westgrönland. Was zunächst wie eine nahezu abstrakte Fläche aus Weiß- und Blautönen wirkt, bekommt durch die Fotograf/innen im Vordergrund plötzlich einen Maßstab. Erst jetzt wird sichtbar, welche Dimensionen diese Eislandschaft tatsächlich hat.

Die Menschen sind dabei bewusst nicht das Hauptmotiv. Sie nehmen nur einen winzigen Teil der Bildfläche ein und scheinen von der Masse des Eises beinahe verschluckt zu werden. Gerade dadurch entsteht dieses Gefühl von Weite und Größe, das vor Ort unmittelbar spürbar ist, sich auf einem zweidimensionalen Foto aber nicht automatisch überträgt.

Auch die reduzierte Farbigkeit unterstützt die Wirkung. Weiß- und Blautöne bestimmen fast das gesamte Bild. Die Kleidung der Fotograf/innen setzt nur kleine Farbakzente und gibt dem Auge einen Orientierungspunkt innerhalb einer Landschaft, die sonst beinahe grenzenlos erscheint.

Dimensionen in der Landschaftsfotografie: Wie Größe im Bild sichtbar wird

Eine Landschaft kann vor Ort gewaltig wirken und auf einem Foto trotzdem erstaunlich klein erscheinen. Der Grund ist einfach: In einem zweidimensionalen Bild fehlt häufig ein Element, dessen tatsächliche Größe wir kennen und mit der Umgebung vergleichen können.

Mariolas Aufnahme löst dieses Problem durch die Menschen am unteren Bildrand. Wir wissen intuitiv ungefähr, wie groß ein Mensch ist. Dadurch bekommt die gesamte Eislandschaft plötzlich einen nachvollziehbaren Maßstab. Die riesigen Eisformationen wirken nicht deshalb groß, weil sie besonders viel Bildfläche einnehmen, sondern weil wir sie mit den winzigen Personen vergleichen können.

Gleichzeitig liegen die Menschen sehr weit unten im Bild. Der überwiegende Teil der Aufnahme gehört dem Eis. Dieses bewusste Verhältnis der Flächen verstärkt den Eindruck von Weite und lässt die Personen beinahe verloren in der Landschaft erscheinen.

Mit 55 mm Brennweite entsteht keine extreme Weitwinkelperspektive. Die verschiedenen Eisebenen werden relativ natürlich dargestellt und wirken leicht verdichtet. Dadurch entsteht eine fast geschlossene Wand aus Eis, vor der die kleinen menschlichen Figuren besonders deutlich als Größenreferenz funktionieren.

Blende f/13 sorgt für eine große Schärfentiefe über die verschiedenen Ebenen hinweg. Mit ISO 320 und 1/125 Sekundebleibt gleichzeitig genügend Spielraum, um die Personen scharf abzubilden.

Wer Dimension in einer Landschaft zeigen möchte, braucht deshalb nicht zwangsläufig ein spektakuläres Weitwinkel. Oft genügt ein einziges bekanntes Größenverhältnis – ein Mensch, ein Haus, ein Boot oder ein Tier. Entscheidend ist, dass dieses Element klein genug bleibt, damit die Landschaft weiterhin das eigentliche Hauptmotiv ist.

Aufnahmedaten und Ausrüstung

Foto: Mariola Rötzheim
Kamera: Fujifilm X-T4
Objektiv: Fujinon XF 55–200 mm F3.5–4.8 R LM OIS
Aufnahmedaten: ISO 320 · 55 mm · f/13 · 1/125 Sek.

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