Jökulsárlón bei schlechtem Wetter fotografieren – Lieblingsfoto der Woche 26/2026

Ein gutes Foto braucht nicht immer Sonnenschein.
Dieses Foto von Dr. Joachim Nieke entstand am Jökulsárlón, der berühmten Gletscherlagune im Süden Islands. Große Eisberge treiben ruhig im Wasser, ihre Formen spiegeln sich fast perfekt auf der glatten Oberfläche. Im Hintergrund liegt der Gletscher, darüber hängen tiefe Wolken und Nebel in den Bergen. Alles wirkt reduziert, kühl und fast monochrom – bis auf dieses intensive Blau im Eis.
Gerade diese Zurückhaltung macht das Bild so stark.
Jökulsárlón gehört zu den bekanntesten Fotomotiven Islands. Die Lagune wirkt auf den ersten Blick fast einfach: Eis, Wasser, Gletscher, Berge – alles ist da. Aber genau darin liegt die fotografische Herausforderung. Gute Bilder entstehen hier nicht nur durch das Motiv selbst, sondern durch Form, Linie, Spiegelung, Abstand und Licht. Man muss schauen, welche Eisberge miteinander funktionieren, wo sich Strukturen wiederholen und wann die Wasseroberfläche ruhig genug ist, um aus einer schönen Szene ein starkes Bild zu machen.
Auf unseren Fotoreisen im Süden Islands nehmen wir uns für Jökulsárlón bewusst Zeit. Nicht nur, weil die Gletscherlagune landschaftlich spektakulär ist, sondern weil sie sich ständig verändert. Ein Eisberg dreht sich, ein anderer treibt langsam aus dem Bild, Nebel zieht über den Gletscher, das Licht wird weicher oder verschwindet ganz. Wer hier fotografiert, beobachtet nicht nur eine Landschaft – sondern einen Moment, der wenige Minuten später schon wieder anders aussieht.
Unser Lieblingsfoto der Woche 26/2026 zeigt genau diese stille Seite Islands: blaues Eis, ruhiges Wasser, Spiegelungen und eine Landschaft, die nicht laut sein muss, um beeindruckend zu sein.
Warum bedeckter Himmel am Jökulsárlón ein fotografischer Vorteil sein kann
Am Jökulsárlón muss spektakuläres Licht nicht automatisch besseres Licht bedeuten. Bei bedecktem Himmel entsteht ein weiches, gleichmäßiges Licht ohne harte Kontraste. Gerade im Eis werden dadurch feine Strukturen und unterschiedliche Blau-, Grau- und Weißtöne sichtbar, die bei direkter Sonne schnell von starken Lichtern und Schatten überlagert werden.
In Joachims Aufnahme verstärkt die ruhige Wasseroberfläche diese reduzierte Wirkung. Die Eisberge spiegeln sich nahezu vollständig und bilden gemeinsam mit Gletscher, Nebel und Bergen eine sehr geschlossene Komposition.
Die 98 mm Brennweite hilft dabei, die Szene zu verdichten und störende Umgebung auszuschließen. Statt die gesamte Gletscherlagune mit einem Weitwinkel abzubilden, konzentriert sich das Foto auf Formen, Staffelung und Wiederholungen im Eis. Blende f/8 liefert ausreichend Schärfentiefe, während ISO 800 eine Belichtungszeit von 1/125 Sekunde ermöglicht.
Gerade an einem bekannten Fotospot wie Jökulsárlón lohnt es sich deshalb, nicht auf das vermeintlich perfekte Wetter zu warten. Nebel, Wolken und gedämpftes Licht können eine wesentlich ruhigere und eigenständigere Bildsprache ermöglichen.
Aufnahmedaten und Ausrüstung
Foto: Dr. Joachim Nieke
Kamera: NIKON Z6
Objektiv: NIKKOR Z 70–200mm f/2.8 VR S
Brennweite: 98 mm
Blende: f/8
Belichtungszeit: 1/125 Sek.
ISO: 800