Lieblingsfoto #41/2026 – Papageitaucher am Látrabjarg – ein Schnabel voller Halme

Nahaufnahme eines Papageitauchers mit trockenen Grashalmen im orange-roten Schnabel, teilweise von unscharfen grünen Halmen eingerahmt.

Der Schnabel ist schon ziemlich voll. Trockene Halme stehen in alle Richtungen ab, ein grüner Grashalm hängt nach unten. Darüber das dunkle Auge mit seiner markanten Zeichnung – und ein Gesicht, in dem sich jede feine Feder abzeichnet.

Unser Lieblingsfoto der Woche #41 stammt von Dr. Günter Steinmüller. Entstanden ist es auf unserer Fotoreise Island Birds & Whales 2026 am Látrabjarg in den isländischen Westfjorden. Mich spricht besonders an, wie unmittelbar diese Aufnahme wirkt: Der Papageitaucher füllt fast das ganze Bild, und doch bleibt durch die Gräser etwas von seiner Umgebung sichtbar.

Ein kleines Detail erzählt die Geschichte

Papageitaucher bringen mit ihrem farbigen Schnabel und der auffälligen Gesichtszeichnung bereits viel mit, das unseren Blick anzieht. Hier kommt etwas Entscheidendes hinzu: die Halme im Schnabel. Sie machen neugierig. Wo hat der Vogel sie aufgenommen, und wohin wird er sie bringen?

Gerade dieses unscheinbare Bündel gibt dem Porträt seinen eigenen Charakter. Die feinen, unregelmäßigen Linien der Halme stehen im Kontrast zu den großen, gerundeten Formen von Kopf und Schnabel. Unser Blick wandert zwischen Auge, Schnabel und Gräsern hin und her.

Links vom Schnabel bleibt eine ruhige, dunkelgrüne Fläche. Sie lässt dem nach links gerichteten Kopf Raum und sorgt dafür, dass sich die orange-roten Schnabelpartien und die hellen Halme deutlich abheben. Dafür braucht es keinen spektakulären Himmel und keine weite Landschaft: Dieser kleine Ausschnitt trägt das Bild.

Gräser als Vordergrund

Am rechten Bildrand liegen unscharfe Halme vor dem Vogel. Sie überlagern Teile von Kopf und Körper und schaffen eine zusätzliche Bildebene. So wirkt das Porträt eingebettet in die Vegetation.

Dabei bleibt die entscheidende Stelle gut sichtbar: das Auge. Hierin liegt die Stärke dieses Bildaufbaus. Die weichen Gräser lassen uns durch den Vordergrund hindurchschauen, während Auge und Schnabel die Aufmerksamkeit halten.

Auch die Farben unterstützen diese Wirkung. Gedämpftes Grün, Schwarz, Weiß und Grau bilden den Rahmen. Dazwischen leuchtet der Schnabel in Orange und Rot. Die hellen Halme setzen weitere Akzente, ohne diese Farbwirkung zu überlagern.

Was die Aufnahmedaten erklären

Die lange Brennweite von 600 mm ermöglicht eine Nahaufnahme ohne das Tier zu stören. Die Belichtungszeit von 1/2500 Sekunde hilft, schnelle Kopfbewegungen und Verwacklungen bei dieser Brennweite einzufrieren. ISO 1600 ermöglicht bei gegebenem Licht eine entsprechend kurze Zeit. Die Kombination ist auf ein Motiv abgestimmt, das sich jederzeit bewegen kann.

Trotz Blende f/8 verschwimmen Vorder- und Hintergrund deutlich. Die Schärfentiefe hängt neben der Blende auch von Brennweite und Aufnahmeabstand ab; für die Stärke der Hintergrundunschärfe ist außerdem der Abstand zwischen Vogel und Hintergrund wichtig. Eine Blendenzahl allein erklärt deshalb noch nicht, wie ein Bild aussehen wird.

Der fotografische Impuls

Wenn Sie Tiere fotografieren, achten Sie neben dem Porträt auf kleine Handlungen und Details. Ein Halm im Schnabel, ein Blick zur Seite oder eine kurze Bewegung kann einer Aufnahme ihren ganz eigenen Ausdruck geben.

Prüfen Sie zugleich die Umgebung im Sucher: Bleibt das Auge frei? Hebt sich der Schnabel vom Hintergrund ab? Können unscharfe Pflanzen dem Bild Tiefe geben? Dafür lohnt es sich, in Ruhe zu beobachten und den Ausschnitt zu verändern, ohne das Tier zu bedrängen.

Günters Aufnahme zeigt, wie viel in einem engen Bildausschnitt stecken kann: Farbe, Struktur, räumliche Tiefe – und ein Büschel Halme, an dem unser Blick immer wieder hängen bleibt.

2027 sind wir wieder am Látrabjarg

Auch nächstes Jahr führt uns unsere Fotoreise Island Birds & Whales vom 21. bis 30. Juni 2027 wieder an den Látrabjarg.  Mit maximal acht Gästen nehmen wir uns Zeit zum Beobachten und Fotografieren. Wenn Sie mitreisen möchten, finden Sie die Informationen zur Reise hier.

Aufnahmedaten und Ausrüstung

Foto: © Dr. Günter Steinmüller
Kamera: FUJIFILM X-H2S
Objektiv: XF150–600mmF5.6–8 R LM OIS WR
Einstellungen: 600 mm · f/8 · 1/2500 s · ISO 1600

Lust auf eigene Lieblingsbilder?

Entdecken Sie unsere Fotoreisen in kleinen Gruppen – persönlich begleitet von Radmila Dier.