Grönland fotografieren: Ausrüstung, Kälte, Workflow & Polarlichter

Grönland ist fotografisch spektakulär: Eisberge, Fjorde, arktisches Licht und – je nach Saison – Wildlife und Polarlichter. Gleichzeitig fordern Wind, Spritzwasser und Kälte ein robustes Setup und einen klaren Workflow. Hier findest du die wichtigsten Praxis-Antworten für Diskobucht und Ostgrönland: Welche Objektive und Filter wirklich sinnvoll sind, wie du Akkus und Strom zuverlässig managst, wie Backups unterwegs funktionieren und worauf es bei Polarlichtern (Stativ, Weitwinkel, Fokus) ankommt.

Fotoausrüstung – Objektive, Filter, Schutz
Kurz-Tipp: Grönland belohnt einfache, robuste Setups. Plane lieber wenige, verlässliche Komponenten (Weitwinkel + Tele, Polfilter, Spritzwasserschutz, Backup-Routine), statt ständig umzubauen. So bist du schneller bereit, wenn Licht und Motive plötzlich „aufgehen“.
Für Diskobucht und Ostgrönland ist eine bewährte Kombination ideal: Normal bis Weitwinkel für Eisberge, Fjorde, Landschaft und Ortsmotive sowie ein Teleobjektiv für Tiere (z. B. Wale, Vögel, Robben) und Details im Eis. Ein Polfilter ist oft sehr hilfreich; ein Graufilter ist optional für kreative Langzeitbelichtungen. Auf Booten ist ein Stativ in der Regel nicht nötig – wichtiger sind Spritzwasserschutz, Drybag und ein Setup mit möglichst wenigen Objektivwechseln.
Für Eisberge und Landschaft funktioniert ein Normal- bis Weitwinkelbereich besonders gut, weil du damit Größe, Raum und Vordergrund gestalten kannst. Für Wildlife und Details im Eis ist ein Tele sinnvoll, um Tiere oder Strukturen ohne unnötiges Herangehen sicher abzubilden. Entscheidend ist eine robuste, schnell nutzbare Auswahl – nicht die maximale Anzahl an Linsen.
Ein Polfilter reduziert Reflexe auf Wasser, nassem Eis und glänzenden Oberflächen und sorgt oft für klarere Kontraste. Ein Graufilter ist ein Kreativtool, z. B. für weichere Wasserflächen, Wolkenzug oder eine ruhigere Bildwirkung bei Tageslicht. Beides ist optional – der Polfilter ist für viele Motive der größere „Hebel“.
Nutze Drybag oder wasserdichten Rucksack, eine Regenhülle für die Kamera und Mikrofasertücher zum Abwischen von Spritzwasser. Objektivwechsel möglichst vermeiden und nur geschützt durchführen, damit kein Sprühnebel ins System kommt. Ein einfacher Praxis-Tipp: lieber ein „Haupt-Setup“ fertig montiert halten, statt ständig umzubauen.
Strom, Akkus & Kälte
In vielen Unterkünften werden EU-Steckdosen/230V genutzt – ein spezieller Adapter ist meist nicht nötig. Entscheidend ist eher der Alltag: Strom ist in Hotels zuverlässig, unterwegs aber nicht ständig verfügbar. Für Fotografen sinnvoll: Mehrfach-USB-Lader, feste Lade-Routine und Reserve-Akkus, denn Kälte reduziert Akkuleistung deutlich.
Kälte senkt die verfügbare Akkuleistung spürbar. Hilft: mehrere Akkus, Akkus körpernah warm halten, rotieren statt „leerfotografieren“, und abends konsequent laden. In sehr kalten Situationen ist ein ruhiger Workflow wichtiger als „immer alles dabei“.
Backups & Datenmanagement
Verlasse dich nicht auf Cloud-Uploads. Ideal ist: (wenn möglich) zwei Speicherkarten parallel, plus tägliches Backup auf SSD. Prüfe stichprobenartig Dateien, halte Karten strukturiert und mache Backups zu einer festen Abendroutine – so minimierst du das größte Risiko auf Reisen: Datenverlust.
Meist nicht zuverlässig. WLAN kann schwanken, und große Uploads sind oft langsam oder unpraktisch. Cloud ist eher „Bonus“, nicht der Backup-Plan. Für einen sicheren Workflow sind lokale Backups (SSD) und saubere Kartenorganisation deutlich besser.
Stativ, Low-Light & Polarlichter
Für Polarlichter und Nacht/Low-Light ist ein Stativ sinnvoll. Dann sollte es stabil und windfest sein – Stabilität ist wichtiger als ultraleicht. Für Bootstouren brauchst du in der Regel kein Stativ; dort zählt Beweglichkeit und Spritzwasserschutz.
Für Polarlichter brauchst du ein lichtstarkes Weitwinkel (offene Blende), RAW, sauberen manuellen Fokus auf Sterne/Unendlich, Reserve-Akkus und ein stabiles, windfestes Stativ. Belichtungszeit und ISO hängen von Intensität und Bewegung der Aurora ab.
Wenn du dafür eine kompakte, praxiserprobte Anleitung willst: Unsere Broschüre „Polarlichter fotografieren“bekommst du nach der Newsletter-Anmeldung hier: https://handsoncamera.de/newsletter-anmeldung/
Drohne & Regeln
Das ist regional und situationsabhängig. In der Nähe von Flughäfen, bewohntem Gebiet, sensiblen Naturarealen oder bei Wildlife kann es Einschränkungen geben. Plane Drohnenaufnahmen nicht als „immer möglich“ ein, informiere dich vor der Reise und vor Ort und fliege nur bei sicheren Wetterbedingungen.

Nordlichtnächte über Eisbergen in Westgrönland