Schwache Polarlichter fotografieren lohnt sich auch – Lieblingsfoto der Woche 24/2026

Polarlichter fotografieren klingt oft nach langer Nacht, kalten Füßen und Warten im Wind. Manchmal geht es aber auch anders: Kamera aufs Stativ, Drink an der Bar bestellen, im Warmen sitzen – und erst dann hinausgehen, wenn sich der Himmel wirklich zeigt.
Genau so entstand dieses Foto von Mariola Rötzheim während unserer letzten Fotoreise in den Süden Islands. Nach dem Abendessen stellten wir die Kameras bereits auf die Stative, machten alles startklar und warteten gemütlich im Hotel. Sobald sich das erste Polarlichtband über der Landschaft zeigte, mussten wir nur noch die Stative nehmen und ein paar Schritte hinaus in die Dunkelheit gehen.
Das klingt bequem – und ist tatsächlich Teil unserer Reiseplanung. Bei Hands on Camera wählen wir Hotels nicht nur nach Zimmerstandard, sondern auch nach fotografischem Potenzial. Gerade bei Herbst- und Winterreisen achten wir darauf, möglichst außerhalb starker Lichtverschmutzung zu übernachten. Denn wenn Nordlichter erscheinen, zählt jede Minute. Dann ist es ein großer Unterschied, ob man erst ins Auto steigen und einen dunklen Standort suchen muss – oder ob die Kamera schon bereitsteht.
Unser Lieblingsfoto der Woche 24/2026 zeigt genau diesen Moment: ein zartes grünes Polarlicht über einer stillen Herbstlandschaft im Süden Islands. Berge, Wiesen, Nachthimmel und die sanfte Aurora verbinden sich zu einer ruhigen, atmosphärischen Aufnahme. Kein lautes Spektakel, sondern ein besonderer Fotomoment, der direkt vor der Hoteltür begann.
Schwache Polarlichter fotografieren: Warum diese Aufnahme funktioniert
Nicht jedes Polarlicht erscheint als kräftiges grünes Band am Himmel. Oft beginnt eine Aurora deutlich schwächer und ist mit bloßem Auge zunächst nur als heller Schleier oder feine Struktur erkennbar. Gerade dann kommt es darauf an, möglichst viel Licht auf den Sensor zu bekommen, ohne die Bewegung des Polarlichts vollständig zu verwischen.
Mariolas Aufnahme entstand mit einem lichtstarken 16-mm-Objektiv bei Blende f/1,4. Die weit geöffnete Blende lässt viel Licht auf den Sensor und ermöglicht gleichzeitig eine vergleichsweise kurze Belichtungszeit von 6 Sekunden. Dadurch bleiben die feinen Strukturen der Aurora besser erhalten als bei sehr langen Belichtungen.
Bemerkenswert ist auch der relativ niedrige Wert von ISO 320. Weil das Objektiv sehr lichtstark ist und sechs Sekunden belichtet wurde, musste die Empfindlichkeit nicht stark erhöht werden. Das hilft, Bildrauschen gering zu halten.
Fotografisch lebt das Bild außerdem vom Verhältnis zwischen Himmel und Landschaft. Berge und Wiesen geben der feinen Aurora einen ruhigen Bezug zur Umgebung. Gerade bei schwachem Polarlicht muss nicht der gesamte Himmel spektakulär leuchten – eine zurückhaltende Aurora kann zusammen mit einer passenden Landschaft eine sehr atmosphärische Aufnahme ergeben.
Wer Polarlichter selbst fotografieren möchte, findet in unserer kostenlosen Broschüre „Polarlichter fotografieren“ die wichtigsten Grundlagen zu Kameraeinstellungen, Fokus, Belichtungszeit und Bildgestaltung kompakt zusammengefasst.
Aufnahmedaten und Ausrüstung
Foto: Mariola Rötzheim
Kamera: FUJIFILM X-T4
Objektiv: XF16mmF1.4 R WR
Brennweite: 16 mm
Blende: f/1.4
Belichtungszeit: 6 Sek.
ISO: 320