Die 5 häufigsten Fehler bei der Bildbearbeitung – und wie du sie vermeidest.
Text & Bilder: Radmila Dier
Fehler bei der Bildbearbeitung können selbst ein gutes Foto schnell unnatürlich wirken lassen. Zu viel Schärfe, übersättigte Farben, ausgefressene Lichter oder eine zu starke Rauschreduzierung gehören zu den typischen Problemen bei der digitalen Fotobearbeitung.
Gerade wer beginnt, seine Fotos als RAW-Dateien aufzunehmen und selbst zu entwickeln, hat plötzlich deutlich mehr Möglichkeiten – und damit auch mehr Stellschrauben, an denen man es übertreiben kann. Aber auch erfahrenen Fotograf/innen passiert es, dass eine Bearbeitung technisch zwar korrekt ist, dem Bild am Ende aber mehr schadet als nutzt.
In diesem Beitrag zeige ich dir die fünf häufigsten Fehler bei der Bildbearbeitung, woran du sie erkennst und wie du sie vermeiden kannst. So entwickelst du einen sichereren Workflow und erzielst natürlichere, professionellere Ergebnisse.
Fehler Nr. 1 – Sicherung der Originaldateien
Wann immer Sie Daten von der Speicherkarte auf die Festplatte downloaden, machen Sie unbedingt eine Sicherungskopie. In Lightroom geht es ganz einfach, man kann in den Import-Einstellungen direkt den Ort für die zweite Kopie festlegen.

Ich habe eine externe 4GB Festplatte, hier werden alle Daten von der Speicherkarte direkt als backup abgelegt. Diese Platte wird sonst für keine anderen Daten genutzt und wenn voll, durch eine neue ersetzt. Diese back up Festplatten tristen ihr Dasein außerhalb von Fotostudio und werden hoffentlich niemals mehr gebraucht :)
Geht aber einmal etwas verloren oder gar kaputt, sind diese Daten Gold wert.
Wenn Ihre Kamera auf die Ausgabe von .jpeg Dateien eingestellt ist, ist die Kopie auch für die anschließende Bearbeitung der Bilder unbedingt zu empfehlen. Wenn nämlich das Originalbild einmal verändert und so gespeichert wurde, lässt sich diese Änderung nicht mehr rückgängig machen. Insbesondere wenn das Bild für die Webseite verkleinert wurde, lässt sich diese kleine Version dann nicht mehr vergrößern!
Dieser Fehler ist sehr ärgerlich und passiert sicher kein zweites Mal.
Am besten ist es jedoch, wenn es erst gar nicht soweit kommt.
Fehler Nr. 2: Bildkontrast
Kontrast ist ein wichtiges Stilmittel und definiert das Bild. Richtig eingesetzt, macht Kontrast das Bild erst richtig gut.
Aber – genau so, wie das Salz in der Suppe, auf die richtige Portion kommt es an. Zu viel Kontrast führt zu überzeichneten Details. Einmal verloren, können diese Details nicht mehr zurückgebracht werden.
Umgekehrt führt zu wenig Kontrast zu einem insgesamt flachen und eintönigen Bild.
Merke: verlustfrei (non-destruktiv) arbeiten! Die Kontraste immer auf einer eigenen Ebene hinzufügen oder abnehmen.


Fehler Nr. 3: Beautyretusche
Diese Anpassungen gelingen am besten im Photoshop. Mit sogenannten „Dodge and Burn“ (Abwedeln und Nachbelichten) Werkzeugen kann man bei Bedarf kleinere Anpassungen bis auf wenige Pixel vornehmen. Die Iris kann man etwas kontrastreicher nachbelichten um sie hervorzuheben. Das Weiß der Augen kann wiederum etwas aufgehellt werden. Kleine Äderchen können retuschiert werden.
Das Gleiche gilt für Zähne.
Weiße Zähne sind ein Zeichen für Gesundheit und eine attraktive Ausstrahlung. Aber nicht viele Menschen verfügen von Natur aus über strahlend weiße Zähne. Gerade bei hellhäutigen Menschen erscheinen die Zähne manchmal leicht gelblich. Da liegt die Versuchung nahe, im Photoshop ein wenig „nachzuhelfen“.
Doch Vorsicht: schneeweiße Zähne und unnatürlich strahlende Augen hat niemand und die portraitierte Person möchte nicht später darauf angesprochen werden, dass ihr Foto „photoshoped“ wurde (wer weiß, was da sonst noch alles ….) ;)
Diese und andere Tricks bei der Beauty-Retusche zeige ich in meinen Bildbearbeitungs- Workshops, oder bei einem 1:1 Training. (Info)
Fehler Nr. 4: Falsche Farben am Monitor und im Druck
Wenn man ein Foto druckt, sollte der Druck die gleichen Farben haben, wie auf dem Foto. Das nennt man farbverbindlichen Ablauf.
Das gleiche Foto, das auf einem kalibrierten Bildschirm in echten Farben strahlt, erscheint auf einem nicht kalibrierten Monitor oft ganz anders und oft mit einem unerwünschten Farbstich.
Gerade gewöhnliche Bildschirme in Büros sind nicht auf die Wiedergabe von Fotos eingestellt.
Es ist schon ein paar Mal passiert, dass ein Kunde angerufen hat und eine Farbanpassung wollte, weil das Bild mit einem Farbstich wiedergegeben wurde. Das Problem wurde schnell beseitigt, sobald die Wiedergabe richtig eingestellt war.
Auch wenn man auf mehreren Geräten arbeitet (z.B. ein großer Bildschirm und ein Laptop für unterwegs), ist es enorm wichtig, die Bildschirme richtig einzustellen.
Nicht jeder hat einen Profi-Monitor von Eizo am Schreibtisch stehen, für die einfache Einstellung kann man folgende Schritte befolgen:
Monitor Kalibrierung
Das Ziel ist es, die richtigen Helligkeitsstufen einzustellen.
Eine sog. Grautreppe hilft bei der ersten Einstellung:

Monitor Grautreppe Testbild
Die Testbilder bei Simpelfilter.de sind auch hilfreich.
Dunkel-Schwarz:
https://www.simpelfilter.de/farbmanagement/schwarzpunkt.html
Hell-Weiß:
https://www.simpelfilter.de/farbmanagement/weisspunkt.html
Eine weitere Kontrolle kann man über eine Testseite durchführen, zum Beispiel hier:
http://autopattern.maettig.com/testbild-helligkeit-kontrast.html
Anschliessend legt man dann noch die Werte für die Farbtemperatur und Helligkeitsverteilung (=Gamma-Wert) fest.
Monitor Profilierung
Auf die Kalibrierung folgt die Profilierung.
Darunter versteht man die Anpassung der Farbdarstellung. Diese Parameter werden im sog. ICC-Profil (= International Color Consortium) gespeichert.
Das ist ein genormter Datensatz, der den Farbraum eines Farbeingabe- oder Farbwiedergabegeräts beschreibt, z. B. eines Monitors, Druckers oder Scanners).
Der ICC Profil stellt sicher, dass ein Foto möglichst originalgetreu wiedergegeben wird.
Das Farbprofil fungiert wie ein „Dolmetscher“ zwischen Monitor und Grafikkarte und gleicht eine abweichende Farbdarstellung des Monitors aus.
Diesen etwas abstrakten Vorgang kann man sich gut mit folgendem Beispiel vorstellen:
Jeder Pixel hat eine „Adresse“ – einen aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau (RGB) zusammengesetzten Farbwert. Dieser Wert liegt pro Farbe irgendwo zwischen 0 und 255. Die „Adresse“ der auf dem unten ausgewählten Pixel ist also R233, G 186 und B 166.
Normalerweise werden die Farben mit einem Hex-Code bezeichnet, hier also #e9baa6.

Die Farben des Pixels können auf jedem Bildschirm ein bisschen anders aussehen, weil jeder Bildschirm eine andere Einstellung haben kann.
Um die Wiedergabe anzupassen, brauchen wir einen „Dolmetscher“, der der Grafikkarte sagt, wie sie das Farbprofil anpassen muss. Das ursprüngliche Profil wird „übersetzt“, das heißt in ein neues Profil umgewandelt. Die Umrechnung erfolgt dann blitzschnell in Hintergrund für alle Pixel.
Für Mac User hilft oft schon das Apple-eigene Farbprofil-Einstellung: https://support.apple.com/de-de/guide/mac-help/mchlf3ddc60d/11.0/mac/11.0
Das ist für Berufsfotografen allerdings zu wenig.
Hier sollte mit Hilfe spezieller Hard- und Software für einen farbverbindlichen Verlauf sorgen und sicherstellen, dass das Foto auf dem Bildschirm auch genauso aus dem Drucker kommt. Beim Kauf von hochwertigen (und leider hochpreisigen) Monitoren wird meistens alles mitgeliefert.
Du willst wissen, ob dein Monitor gut eingestellt ist und die Qualität sofort beurteilen?Hier gibt es einen kostenlosen Monitor Test zum Download: https://www.eizo.de/software/colornavigator

Fehler Nr. 5: zu viel Schärfe
Selbst mit komplett offener Blende braucht ein Bild einen Bereich der scharf ist, klar definierte Kanten hat und die Aufmerksamkeit des Betrachters anzieht. Natürlich hängt diese Schärfe zunächst davon ab, wie gut das Bild aufgenommen wurde. Unscharfe Bereiche lassen sich selbst mit der besten Software im Nachhinein nicht „scharf machen“.
Allerdings wird in der Bildbearbeitung – insbesondere bei .raw Dateien, das Bild erst nachträglich geschärt. Dabei werden ausgewählte Bereiche – im Portraitfotografie oftmals nur die Augen- und Mundpartie – selektiv geschärft.
Homöopathische Anwendung ist das Gebot beim Schärfen – die Dosis macht die Wirkung. Zu viel geschärfte Bilder zeigen an den Rändern der geschärften Kanten weiße Pixel und Artefakte. Wenn es schnell gehen soll, kann man auch in Lightroom die Bilder schärfen. „one fits all“ passt aber nicht immer.
Ich verwende für selektives Schärfen meistens das Photoshop-Werkzeug „Hochpassfilter“.


Das funktioniert sehr gut für Architektur und auch für Portraits, da hier meist nur die Augenpartie und ggf. die Mundpartie partiell geschärft wird.
Die Hochpassfilterstärke wird in einer neuen Ebene nach Bedarf angepasst, für verschiedene Stärken kann man mehrere Ebenen anlegen und die Schärfe damit selektiv und non-destruktiv steuern.
Die Ebenen werden anschließend ineinander kopiert. Das Endergebnis kann hier nochmals über die Deckkraft der Schärfe-Ebene angepasst werden.
Ich hoffe, ich konnte mit diesen Tipps ein wenig helfen.


Gute Bildbearbeitung bedeutet nicht, möglichst viel aus einem Foto herauszuholen, sondern die Bildwirkung gezielt zu unterstützen. Oft sind es gerade die kleinen, bewussten Korrekturen, die den größten Unterschied machen. Wer typische Fehler erkennt und seinen eigenen Workflow kritisch hinterfragt, kommt nicht nur schneller zu besseren Ergebnissen, sondern entwickelt mit der Zeit auch einen sichereren eigenen Bildstil.