Kreative Blockaden und wie man sie überwindet.

Neulich habe ich in einem Forum gelesen:

„Seit Oktober bin ich immer nur daheim. Mittlerweile kommt mir auch alles was ich gemacht habe schlecht vor. Auch wenn ich meinen Stil anschaue, kann ich mich irgendwie nicht mehr zu 100% damit identifizieren. Vielleicht ist es auch nur die Laune wegen dem ewigen Lockdown. Wenn ich meine Website anschaue, mag ich diese auch nicht mehr leiden. Würde am liebsten alles umkrempeln und komplett neu machen.

Bitte sagt mir, dass ich nicht die Einzige bin!

jemand anders schrieb dazu:

„Mir geht es momentan wie dir: wenig Motivation für Neues, kreative Müdigkeit und das Gefühl, dass all, was ich mache/gemacht habe eher wertlos ist.
Routine frisst einen langsam. Die gleichen Abläufe, die gleiche Umgebung….“

Seit einem Jahr schon hat uns die Pandemie fest im Griff. Viele Aufträge wurden verschoben oder ganz abgesagt, social distancing zwingt uns, auf digitale Medien auszuweichen.

Super für ein überregionales Meeting.
Fotografieren geht aber nur persönlich.

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich viele Gespräche mit Kollegen geführt.
Einige Coachings haben wir digital abgehalten, ja sogar ganze Tageskurse wurden als kontaktlose Online Veranstaltungen geführt (unser Kurs „SEO beherrschen und google optimieren“ funktioniert prima online).

Alle diese Gespräche haben eines gemeinsam: wir wollen einfach keinen Bildschirm mehr sehen. Alle sehnen sich nach echten Begegnungen, manche haben nach einem Jahr Corona eine kreative Blockade.

Geht es euch auch so?

Vielleicht helfen ein paar Tricks, wie wir aus der kreativen Falle herausfinden:

1. Lookbook

Vor ca. 10 Jahren habe ich mein persönliches „Lookbook“ angefangen: ein Leitz Ordner, in dem ich Fotos gesammelt, Ideen notiert und allerhand Schnipsel eingeklebt habe. Wie oft sieht man in Werbekampagnen, Modezeitschriften oder Bildbänden ein tolles Foto, eine tolle Idee? Es lohnt sich, Ideen zu sammeln und Gedanken aufzuschreiben.

Auch wenn sie nicht sofort zu einer glänzenden Lösung führen. Und auch, wenn ich sie später doof finde.

Ein Ideen-Lager ist immer gut!

Vor ein paar Jahren wurde mein Notizbuch digital: Bilder in Zeitschriften oder Plakaten können abfotografiert, Sprachmemos gespeichert und bei Bedarf aus der digitalen Schublade geholt werden.

Seit ein paar Monaten – dem Online overflow sei Dank – habe ich wieder mein gutes altes Moleskine. Herrlich, wieder mit echten Stiften auf echtes Papier zu schreiben!

Ich mag Moleskine sehr. Soooooo schöne Notizbücher! https://de.moleskine.com/de/notizbucher.

2. Perspektiven Wechsel

Ein Wechsel der Sichtweise bewirkt oft Wunder. In meinen Coachings erzähle ich immer von einen Kieferorthopäden, der hauptsächlich Zahnspangen für kleine Patienten macht. Für diese Zielgruppe wollte er seine Praxis umbauen und freundlicher gestalten. Was hat er gemacht? Auf den Knien durch die Praxis „gerobbt“! Das ist nämlich die richtige Perspektive, so sieht seine Praxis ein kleines Kind.

Plötzlich war klar, dass die Empfangstheke zumindest an einer Stelle viel niedriger sein muss, dass er kleine Stühle braucht und dass in der Kundentoilette das Waschbecken viel zu hoch hängt.

Gleiches empfehle ich Fotografen, die ein Fotostudio für Kinder- und Familienfotografie betreiben: was muss passieren, damit sich die kleinen Gäste wohl fühlen? Glückliche Kinder = tolle Bilder = glückliche Eltern = glückliche Fotografen/innen 🙂

In dem Zusammenhang denke ich oft an unsere Island-Fotoreise. In einem Ort Namens Ísafjörður gibt es ein 3D-Fußgängerstreifen: fotografiert man aus einer bestimmten Richtung, schwebt der Übergang frei über die Strasse.

Ísafjörður Iceland, 3d pedestrian crossing

Ísafjörður Iceland, 3d pedestrian crossing

Man sieht: Der Wechsel der Perspektive bringt ungeahnte Einsichten – nicht nur bei der Einrichtung 😉

3. Move your Body

Bewegung ist nicht nur für den Körper gut, sondern auch für das Gehirn. Jeder von uns kennt es. Manchmal geht einfach nichts mehr. Man fühlt sich leer, ideenlos, alles ist irgendwie…. doof.

Kreativitätsexperten sagen, dass neue Ideen selten am Schreibtisch, sondern vielmehr unterwegs entstehen, und sei es nur ein Spaziergang. Es muss aber nicht gleich die Bergtour sein – für mich funktioniert zum Beispiel auch Gartenarbeit sehr gut!

Bewegung verändert die chemischen Vorgänge im Gehirn. Sie regt den kreativen Teil des Gehirns an, auf einmal denken wir über Probleme ganz anders nach und es entstehen Verbindungen, die vorher komplett unklar waren.

Meine Empfehlung: rein in die Turnschuhe – rauf aufs Radl – raus in die Natur! Die Aktivität fordert das Bewegungszentrum im Gehirn, das Denkzentrum wird entlastet. Sport macht damit tatsächlich den Kopf frei.

Ich muss zugeben: ich bin kein Schlecht-wetter-draussen-Sportler. Zum Glück bietet mein Fitness Studio auch im Lockdown die Stunden online, die ich gerne mache. Also läuft die Step-Stunde ab jetzt bei uns im Wohnzimmer.

Und die Ideen kommen von ganz alleine.

4. Vom Bauklotz zum Geistesblitz

Nicht nur Sport, sondern auch das scheinbar sinnlose Spielen macht den Kopf frei.

Am besten funktionieren divergente Spiele, also die, die kein vorbestimmtes (konvergentes) Ergebnis haben.

Mit anderen Worten: divergentes Spielen kann das Gehirn entspannen, weil es nicht auf eine bestimmte Lösung hin ausgerichtet ist. Wenn ihr kleine Kinder habt, kennt ihr das Phänomen: man baut mit dem Sprössling  Türme aus Bauklötzen und plötzlich kommen ganz spontan ganz neue, überraschende Ideen – einfach so (glaubt mir, es funktioniert auch ohne Kinder 🙂 )!

5. Eigene Fristen setzen

Ich bin ein klassischer „Unter-Druck-Arbeiter“.

Oft habe ich nicht den richtigen „Funken“, die Aufgabe wird geschoben bis zur letzten Minute. Plötzlich –wenn es gar nicht anders geht – komme ich um 5 vor 12 dann immer in meine Bestform und am Ende gelingt es irgendwie, in letzter Minute die Arbeit sogar in der Hälfte der geplanten Zeit zu erledigen.

Diese Neigung können wir mit einer eigenen Deadline außer Kraft setzten.

Die Fähigkeit, Höchstleistung unter Zeitdruck zu erledigen, können wir auch künstlich triggern.

Probiert es aus – es funktioniert!

Also. Lasst euch nicht entmutigen und denkt immer dieses Zitat von Vincent van Gogh:

„Grosse Dinge entstehen durch eine Reihe kleiner Dinge, die zusammenkommen.“

kreative blockade motivation

Wir kennen das alle: eine Tasse Kaffee hat schon oft alles verändert. 
Deshalb haben wir das Netzwerk-Treffen für Fotografen ins Leben gerufen. Der nächste Termin ist für den 12. April geplant. Bist du dabei?

Liebe Grüße und vielleicht bis bald: beim Frühstück!

Radmila